Blaue Gedanken
(Wolf Rappold)
Blaue
Gedankenwolken breiten sich aus,
vertreiben
die nachtdunklen Träume,
verströmen
den Duft eines ungeahnten Parfüms,
gefangene
Phantasien sind wieder befreit.
Blaue
Windgedichte schweben herbei,
verdrängen
den nasskalten Sturm,
erzählen
Märchen einer fremdartigen Welt,
verwehte
Phantasien schwingen sachte im Wind.
Blaue
Wellenspiele strömen empor,
füllen die
leergesogenen Teiche,
spielen eine
Melodie aus endloser Zeit,
gestrandete
Phantasien setzen ihre Segel.
Ägyptische Sonnenhymne
Sei gegrüßt, der im Urwasser
aufgeht!
Bei deinem Anblick jubeln die Götter.
Erscheine doch inmitten deiner Sonnenbarke,
wen der Himmel dir zur Seite erglänzt
in der Farbe des Lapislazuli.
Die Himmlischen stimmen dir Loblieder an,
jedes Herz jubelt in deinem Anblick.
Der Himmel ist Gold
wegen der Schönheit deines Angesichts,
der Urozean ist Lapislazuli
weil du aufgehst in ihm.
Blauer Schmetterling
(Hermann Hesse)
Flügelt ein
kleiner blauer
Falter vom Wind geweht,
Ein perlmutterner Schauer,
Glitzert, flimmert, vergeht,
So mit Augenblicksblinken,
So im Vorüberwehn
Sah ich das Glück mir winken,
Glitzern, flimmern, vergehn.
Feldeinsamkeit
(Hermann Allmers)
ICH ruhe
still im hohen, grünen Gras
Und sende lange meinen Blick nach oben,
Von Grillen rings umschwirrt ohn' Unterlaß,
Von Himmelsbläue wundersam umwoben.
Und schöne
weiße Wolken ziehn dahin
Durchs tiefe Blau, wie schöne stille Träume;
Mir ist, als ob ich längst gestorben bin
Und ziehe selig mit durch ew'ge Räume.
Die blaue Blume
(Rudolf Baumbach)
Es lagen
einst drei Knaben
Die Ruh im Waldesraum.
Die Wipfel rauschten droben,
Da hat sie sacht umwoben
Der Schlaf mit einem Traum
Im Träumen
sahn sie blühen
Die Blume himmelblau,
Von der die alten Geschichten
Der Wunder viel berichten;
Sie glänzte im Morgentau.
Da fuhren
aus dem Schlummer
Die Knaben allzumal.
Sie thäten sich trennen und suchen
Im Schatten der Tannen und Buchen,
Auf Bergen und im Thal.
Der erste
von den dreien
War wohl ein Sonntagskind
Er fand in hohler Weide
Ein Kästchen mit Geschmeinde;
Das trug er heim geschwind.
Und ließ
ein Schloß sich bauen,
Und alles Land umher
Erscholl von seinem Ruhme.-
Der blauen Wunderblume
Gedacht´er nimmermehr.
Der zweite
statt der Blüthe
Ein nußbraun Mädchen fand.
umrauscht von grünen Zweigen
Ward sie im Wald sein eigen
Und gab im Herz und Hand.
Er führte
seine Traute
Zum frohen Hochzeitreih´n
Und zeugte Mädchen und Buben
Und baute Kohl und Ruben,
Ließ Blume Blume sein.
Der dritte,
ach der dritte
Kam nimmermehr nach Haus.
Und sucht die Blume noch heute,
Und sehen ihn die Leute,
So lachen sie ihn aus.
Blau
(Rose Ausländer)
Blau
eine Fahne dem Wunder
Himmel
Abend
Ascona
Césanne
Abertausend
Wunder
im Traum
Die uns
vernichten
die schweren
auch diese Wunder
Aus hellsten
Blau
eine Fahne
aus dunkelstem Blau
Blaue Hortensie
(Rainer Maria Rilke)
So wie das
letzte Grün in Farbentiegeln
sind diese Blätter, trocken, stumpf und rauh,
hinter den Blühtendolden, die ein Blau
nicht auf sich tragen, nur von ferne spiegel.
Sie spiegeln
es verweint und ungenau,
als wollten sie es wiederum verlieren,
und wie in alten blauen Briefpapieren
ist Gelb in ihnen, Violett und Grau;
Verwaschenes
wie an einer Kinderschürze,
Nichtmehrgetragen, dem nichts mehr geschieht:
wie fühlt man eines kleines Lebens Kürze.
Doch
plötzlich scheint das Blau sich zu verneuen
in einer von den Dolden, und man sieht
ein rührend Blaues sich vor Grünen freuen.
Blaue Zelte
(Peter Härtling)
In den
blauen Zelten
kreist der Rauch
und die Indianer
meiden das Totem des Unheils.
Zieh die
schnellen Schuh an und flieh!
Vielleicht ist es der letzte Tag,
den dir die kreisenden Bussarde gönnen -
oder unter dem Felsen wartet schon der Meister.
Abends, wenn
unter dem flachen Himmel
die bunten Stickereien
der Tänze glänzen,
schnellen die wütenden Peile durch die Ebene.
Und in der
tiefen Müdigkeit
der blauen Zelte
treffen sich die Geister
Blauer Abend in Berlin
(Oskar Loerke)
Der Himmel
fließt in steinernen Kanälen;
Denn zu Kanälen steilrecht ausgehauen
Sind alle Straßen voll von Himmelblauen;
Und Kuppeln gleichen Bojen, Schlote, Pfählen
Im Wasser.
Schwarze Essendämpfe schwelen
Und sind wie Wasserpflanzen anzuschauen.
Die Leben, die sich ganz am Grunde stauen,
Beginnen sacht von Himmel zu erzählen,
Gemengt
entwirrt nach blauen Melodien,
Wie eines Wassers Bodensatz und Tand
Regt sie das Wassers Wille und Verstand
Im Dünen,
Kommen, Gehen, Gleiten, Ziehen,
Die Menschen sind wie grober bunter Sand
Im linden Spiel der großen Wellenhand
Neues Wesen
.(Karl Krolow)
Blau kommt
auf
wie Mörikes leiser Harfenton.
Immer wieder
wird das so sein.
Die Leute streichen
ihre Häuser an.
Auf die verschiedenen Wände
scheint Sonne.
Jeder erwartet das.
Frühling, ja du bist´s!
Mann kann das nachlesen.
Die grüne Hecke ist ein Zitat.
Die Leute
streichen auch
ihre Familien an, die Autos,
die Boote,
Ihr neues Wesen
gefällt allgemein
Spätblau
.Hermann Hesse
O reine,
wundervolle Schau,
Wenn du aus Purpurrot und Gold
Dich ebenest friedvoll, ernst und hold,
Du leuchtendes Späthimmelblau!
Du mahnst an einen blauen See,
darauf das Glück vor Anker hält
Zu seliger Rast. Vom Ruder fällt
Der letzte Tropfen Erdenweh.
Es klingt...
(Hans Arp)
Es klingt
es rauscht
es hallt
es widerhallt
es sprüht
es duftet
und wird andächtig singendes Blau.
Das Blau verblüht zu Licht.
Kindheit
(Georg Trakl)
Voll
Früchten der Hollunder, ruhig wohnte die Kindheit
In blauer Hähle.Über vergangenen Pfand,
Wo nun bräunlich das wilde Gras saust,
Sinnt das stille Geäst; das rauschen des Laubs
Ein
gleiches, wenn das blaue Wasser im Felsen tönt.
Sanft ist der Amsel Klage. Ein Hirt
Folgt sprachlos der Sonne, die vom herbstlichen Hügel rollt.
Ein blauer
Augenblick ist nur mehr Seele.
Am Waldsaum zeigt sich ein scheues Wild und friedlich
Ruhn im Grund die alten Glocken und finteren Weiler.
Frömmer
kennst du den Sinn der dunklen Jahre,
Kühle und Herbst in einsamen Zimmern;
Und in heilige Bläue läuten leuchtende Schritte fort.
Leise klirrt
ein offenes Fenster; zu Tränen
Rührt der Anblick des verfallenen Friedhofs am Hügel,
Erinnerung an erzählte Legenden; doch manchmal erhellt sich die Seele,
Wenn sie frohe Menschen denkt, dunkelgoldene Frühlingstage
Im Dunkel
(Georg Trakl)
Es schweigt
die Seele den blauen Frühling.
Unter feuchten Abendgezweig
Sank im Schauern die Stirne der Liebenden.
O das
grünende Kreuz. In dunklem gespräch
Erkannte sich Mann und Weib.
An kahler Mauer
Wandelte mit seinen Gestirnen der einsame.
Über die
mondbeglänzten Wege des Walds
Sank die Wildnis
Vergessener Jagden; Blick der Bläue
Aus verfallenen Felsen bricht
Mein blaues Klavier
.(Else Lasker-Schüler)
Ich habe zu
Hause ein blaues Klavier
Und kenne doch keine Note.
Es steht im
Dunkel der Kellertür,
Seitdem die Welt verrohte.
Es spielen
Sternenhände vier
- Die Mondfrau sang im Bote -
Nun tanzen die Raten im Geklirr.
Zerbrochen
ist die Klaviatür...
Ich beweine die blaue Tote.
Ach liebe
Engel öffnet mir
- Ich aß vom bitteren Brote -
Mir lebend schon die Himmelstür -
Auch wider dem Verbote.
Er ist´s
.(Eduard Mörike)
Frühling
lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen,
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist´s!
Dich hab ich vernommen!
Blau lebt
(Nicolé-Annette Krüger)
Es ist ein
Blau nur in besondren Dingen,
als wäre ihm ein Prädikat verliehn,
als ließe es ganz gnädig sich herab,
so einfach sichtbar sich zu zeigen.
Und trotz
all dieser Arroganz,
genährt aus alter Zeit,
ist ein unglaublich schönes Blau
auf jenen Blütendolden
der Hortensien.
Das
allertiefste Blau jedoch
lebt in den Augen eines Menschen,
wenn sie verletzlich offen
für uns zum Tor der Seele werden.
In Blau
(Susanne Jensen)
IN BLAU
GEKRÜMMT
festverschlossen
auf Kleinfuß
in Trapp gehalten
trägt mein
Körper
freundliche und
unfreundliche Hand
Am Ufer
werfe ich
mit meiner freundlichen Hand
himmel - hoch
werfe ins
Blau
himmelblau
wasserblau
wellenblau
Welches Gebet fällt dort
mit hinab in die Tiefe?
Klageworte
an Dich
Blaues
Auge
(Thomas Mrozik)
Signal und
aufgewacht
Schmerzensblau
Verstecken in der Nacht.
Die Farbe Blau
(Heidelind Matthews)
Schenk mir
deine Hand, schließ die Augen.
Lass dich entführen in mein Land.
Ich bin eine Träumerin und will dich locken.
Stell dir
die Farbe Blau vor. Dieses Blau, so dunkel
und geheimnisvoll wie die Nacht und ihre um-
herstreifenden ruhelosen Schatten.
Es hüllt
dich ein und trägt dich fort auf Schwingen
der Sehnsucht. Immer weiter weg bringen sie dich,
du fühlst dich leicht und sorglos.
Lass deine
Gedanken umher schweifen, vergiss das,
was dich bekümmert und gefesselt hält.
Verfalle diesem Blau und stell dir vor, du liegst auf
einer großen Welle im Meer. Sanft schaukelt sie
dich hin und her und umspült gelinde deinen entblößten Körper.
Um dich
herum nur Blau. Den Blick gen Himmel gewandt,
schaust du wieder in die Farbe Blau. Nur diesmal ist es
durchwoben von einem glitzernden weißgrauen Schleier.
Nein, es sind keine Wolken. Ich habe für dich die Feen
dieser Welt erwacht, damit du einmal im Leben ihren
Tanz bewundert kannst und sie deine Träume befreien.
Sehen sie
nicht wunderschön aus, mit ihrem glänzenden,
blonden. lockigem langen Haar, das fast bis an den
Boden reicht. Ihre Augen schillern in den Farben des
Regenbogen, ihr anmutiger Körper schwebt dahin
wie ein zartes Blütenblatt im Sommerwind.
Habe keine
Angst und lass dich von ihnen entführen.
Tanze zusammen mit ihnen den Reigen der Sehnsucht
und nehme den honigsüßen Klang ihrer Stimmen wahr.
Fühlst du, wie du ausbrichst aus dieser Welt und sich
allmählich dein Herz öffnet; deine Träume entweichen
und alles zusammen eins wird, eingetaucht in die
Farbe Blau. Blau - die Farbe der Träumer!
Eine Farbe: Blau
(Thomas Conal)
Des nachts
faßte mich ein sonderbarer Traum
ich fand mich selbst als Blau vor
nicht blau wie das Meer
oder blau wie der Himmel
oder ähnlicher metaphorischer Quatsch
nicht "blau wie"
sondern ich WAR blau
blau
blau
blüht nicht nur der Enzian
nein, Meer und Himmel waren blau wie ich
mich plagiierend, als Inspiration nutzend
warum konnten sie sich nicht jemand anders suchen
wie die grüne Wiese es tat?
jetzt konnte anhand von Meer und Himmel
jeder Dahergelaufene mich sehen
anstatt mich einfach nur Farbe sein zu lassen
warum nur?
Beschwörung in Blau
(Birgit Enser)
Nach oben
schaue ich.
Strahlendes
Blau,
als hätte der Himmel
nie eine Träne geseh'n.
Vertrauensvoll
tauche ich ein
in dieses blaue Meer,
um zu
vergessen
vergessen
vergessen
Blau ist...
(Johannes Itten)
Blau ist
eine starke Macht
wie die Naturkraft im Winter
in der alles Dunkel und Stille
verborgen keimt und wächst.
Es klingt...
(Hans Arp)
Es klingt
es rauscht
es hallt
es widerhallt
es sprüht
es duftet
und wird andächtig singendes Blau.
Das Blau verblüht zu Licht.
Die leise Wolke...
(Hermann Hesse)
Die
leise Wolke
Eine schmale, weiße
Eine sanfte, leise
Wolke weht im Blauen hin.
Senke deinen Blick und fühle
Selig sie mit weißer Kühle
Dir durch blaue Träume ziehen.